7 Tipps - Schneller & produktiver schreiben

7 Tipps – Schneller & produktiver schreiben #4 Flow

24. Mai 2017
Was ist der Flow?

Ahhh, ich freue mich immer, wenn ich über das eigentliche Schreiben schreiben kann. Also den Moment, in dem die Buchstaben auf das Papier fliegen, etwas entsteht! Ich habe schon einmal einen Blogbeitrag über das S*c*h*r*e*i*b*e*n geschrieben, der hier als Ergänzung oder Grundlage super passt. Im heutigen Beitrag soll es aber hauptsächlich darum gehen, wie man den Schreibflow für das Schreibtempo nutzt. Also möglichst schnell in den Zustand eintritt und lange in ihm bleibt.

Mit Flow bezeichne ich den Zustand, wenn das rationale Denken sich in den Hintergrund schiebt und das kreative Denken übernimmt. Die linke/kreative Gehirnhälfte, der Bereich in uns, der sich mehr auf die Intuition verlässt als auf das rationale Denken. Es ist ein kreativer Zustand, einer, in dem einem die Ideen leicht und mühelos zufliegen, in dem man Ideen findet, auf Lösungen kommt oder Probleme löst. Im Flow können nicht nur Künstler sein, sondern auch Sportler: Eine EiskunstläuferIn in der Kür, eine AbfahrtsläuferIn bei der Abfahrt, eine FußballerIn beim Elfmeter. Aber auch derjenige, der in einem Laden auf der Suche nach einem Schnäppchen ist oder der Geocoacher im Gelände.  Der Zustand, in dem die Aussenwelt ausgeblendet wird und man ganz bei sich und seiner Sache oder Suche ist.

Schreibflow

Genau in diesem Zustand trete ich ein, wenn zu Schreiben beginne. Ich lasse mich – fallen. Denn alles, was zu klären war, habe ich geklärt. Ab jetzt, also dem Moment, in dem ich vor meinem Laptop sitze, muss ich es nur aus mir herausfließen lassen. Lacht wer? Nun, das war wohl ich selber. Die innere Stimme, die sagt: Wenn das so einfach wäre! Mein rationales, erwachsenes ICH, das eine Höllenangt davor hat, in diesem Zustand zu gehen. Loszulassen. Abzugeben.

An diesem Punkt ist es gut, mir klarzumachen, dass ich genau deshalb alles so gut geplant habe, damit ich loslassen kann. Der Sportler hat gut trainiert, bevor er auf die Abfahrt geht, der Fußballer kennt den Ablauf beim Elfmeter genau und wer sich im Schlussverkauf auskennt, wird auch die besten Schnäppchen ergattern. Bingo! Produktiver Schreibflow setzt Können und Training und Planung voraus.

Doch auch ohne Können und Training und Planung kann ich in einen Flow-Zustand kommen. Menschen, die sich betrinken oder Drogen nehmen, sind in diesem Zustand (und es ist sicher kein Zufall, das viele Autoren sich mit Alkohol zum Schreiben stimulieren). Kinder sind die meiste Zeit in diesem Zustand. Das ist genau der Grund, warum ich oft Hemmungen habe, in diesen Zustand einzutreten. Er erscheint mir dumm, naiv und unkontrolliert. Aber er ist eben auch: Kreativ, genial, mühelos, schnell.

Flawless Flow

Für den guten Schreibflow gibt es ein paar Tipps oder Regeln. Seid ihr im Flow gilt:

  • keine Kritik, no judgment, der innere Kritiker muss schweigen
  • Keine Ablenkung von außen
  • Loslassen von jedem Gefühl der Verantwortung: Weder dem Geld, noch dem Erfolg, noch einer Timeline oder dem Leser gegenüber
  • Freiheit – zu denken, zu schreiben, was man will
  • Selbstbewusstsein – sich selbst oder das Geschriebene wird an keinem Punkt in Frage gestellt oder anzgezweifelt

Oh, werden einige vermutlich jetzt sagen: So könnte ja auch ein ganz grauenhaftes, egomanes, narzistisches, mies geschriebenes, pathetisches, kitschiges Buch entstehen!? Jep. Das ist richtig. Der Flow ist nicht per se gut oder schlecht. Er ist – neutral. Man kann im Flow einen Menschen umbringen oder die Welt retten. Manchmal beneide ich die Autoren, die in diesem irren Tempo ein Buch nach dem anderen schreiben. Wie machen sie das? Wie könne sie so wenig – an sich zweifeln? Nun, dann erinnere ich mich daran, dass sie eines wirklich gut beherrschen. Etwas, was ich immer wieder von ihnen lernen kann: Sie sind beim Schreiben im Flow. Klar, ist es ihr eigener Flow, ihre eigene Welt, ihre eigene Vision und natürlich habe ich eine andere. Aber davon darf ich mich nicht aus meinem Flow bringen lassen.

Der gute Flow – kreatives Schreiben

Ich nähere mich dem Schreibflow noch einmal von einer anderen, etwas praktischeren Seite an, denn schließlich geht es ja auch darum, wie man in den Flow kommt. Dazu werfe ich mal einen Blick auf das Kreative Schreiben:

„Kreatives Schreiben ist eine Bezeichnung für Schreibansätze, die davon ausgehen, dass Schreiben ein kreativ-sprachlicher Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann. Kreatives Schreiben geht damit über klassischen Schreibunterricht hinaus, indem der Schwerpunkt auf den Prozess des Schreibens selbst gelegt und „durch assoziative, gestaltende und überarbeitende Methoden trainiert“ wird.“ (Wikipedia)

Kurz gesagt: Beim kreativen Schreiben soll man immer im Schreibflow sein. Interessant ist die Formulierung:“… Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann.“ Heißt, es gibt Methoden, um in den Schreibflow zu kommen? Ja, es gibt unendlich viele Tricks und Tipps, um in den Schreibflow zu kommen. – Und eine Warnung …

Tipps und Tricks

Wie schon gesagt geht es darum, das rationale Denken und Handeln auszuschalten und  – wie ein Kind – naiv und unvoreingenommen draufloszuschreiben. Dabei hilft:

  • Musik: Ich komme nicht rein! Sucht Songs/Musik, die je nach zu schreibender Szene entspannt, erhebt, gute Laune macht oder eine tragische Szene unterstützt. Denkt an Filmmusik.
  • Assoziationen: Wie soll ich eine Szene beschreiben? Egal, schreibt nur Worte und Gefühle auf, die euch zu der Szene einfallen. Ganz egal wie abgehackt der Text erscheint, nehmt, was ihr kriegen könnst, macht euch später Gedanken darüber, wie ihr Sinn in die Szene hineinbringt.
  • Bilder: Ich finde keine Worte! Dann nehmt Bilder. Denkt an die Szene, den Ort, die Tageszeit. Beschreibt, was ihr innerlich seht (nicht, was ihr denkt).
  • Lesen: Ich stecke fest! Lest, was ihr geschrieben habt, und zwar laut, als ob es von einem anderen geschrieben wurde. Meist erkennt ihr euren Sound und findet schneller wieder zum Schreibflow zurück.

Wenn ihr es gerne etwas fachlicher haben wollt, dann googelt: Brainwriting, Cluster oder Freewriting.

Warnung

Das Kreative Schreiben ist powerful. Es setzt Bereiche des Unterbewusstseins frei und hilft an verschüttete Emotionen zu kommen. Für einen ernsthaften Autoren/Schriftsteller ist das goldwert. Trotzdem muss man sich klarmachen, dass diese Schreibtechniken auch Gefühle freisetzen, mit denen man sich vielleicht lieber nicht konfrontiert hätte. Manchmal weint man dann vielleicht eine Stunde, statt eine Stunde zu schreiben. Menschen die nicht in der Lage sind, über traumatische Erlebnisse zu sprechen, empfiehlt man das Kreative Schreiben als Heilung. Think about it!

Es ist also ein Powermittel und je stärker, desto tiefer kann man damit in sein Unterbewusstsein vorstossen. Was ich unbedingt empfehlen würde. Denn sich an der Oberfläche des kollektiven Geplappers zu bewegen, mag euch am Anfang viele Leser bringen, aber auf Dauer keinen Erfolg. Nope. Diese seichte Befindlichkeitsraunen oder das melodramatische Aufblähen von Schicksalen (seine Eltern starben! Er hatte einen Tumor! Sie verlor ihr Kind!), die keine echte Bedeutung für das eigene Leben haben, werden genauso schnell vergessen werden wie eine Boulevard-Schlagzeile.

Charaktere und Flow

Eine Sache habe ich mirnochnicht erwähnt: Die Charaktere. Sie spielen beim Kreativen/Flow-Schreiben eine große Rolle, denn sie übernehmen die Handlung gerne einfach mal. Und was dann? Soll man ihnen folgen oder sie zur Ordnung rufen? Darüber schreibe ich nächste Woche.

Dazu eine kleine Anekdote in eigener Sache: Gerade habe ich Loving one more den 3. Band der Loving-Serie beendet. Die beiden Vorgängerbände sind vor 2 bzw 4 Jahren entstanden, woran man wohl schon sieht, dass ich nicht gerade eine Schnellschreiberin bin. Ich tue mich immer schwer damit, in den Flow zu kommen, aber bei diesem Buch habe ich mich extrem fallen lassen. Also auf die Geschichte und Charaktere – die ich ja schon gut kannte – eingelassen und meine Plotplanung ständig umgestellt.

Ich glaube, vor einigen Jahren wäre ich daran noch verzweifelt. Nachdem ich letztes Jahre ein „Trauerbuch“ (Love on Paper) geschrieben habe (sehr viel kreatives Schreiben …), bin ich wohl einfach auf der anderen Seite des Lochs herausgekommen und auf einem neuen Schreiblevel gelandet. Sehr abgefahren. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie schnell ich den nächsten Band schreiben kann ;)

Bis nächste Woche!

xoxo

Katrin

P.S. Ach, ja: Zum Buchstart von „Loving one more“ könnt ihr einen Kindle Fire gewinnen. Bis 23. Juni habt ihr Zeit, euch zu bwerben.

#rbpub #redbugwriting #amwriting

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3 Comments

  • Reply Roland 25. Mai 2017 at 21:56

    Hi Katrin,
    Du sagst es gut und warnend: Flow ist nicht alles, wie auch das Kreative an sich nicht unbedingt große Kunst hervorbringt. Nur im Mitspiel, auch Zusammenspiel eines erlernbaren Könnens und Einsichtsfähigkeit in die Tiefe der Charaktere, des Menschlichen kann im Schreibflow dann ein sehr lesenswertes Buch entstehen. Wie bei Dir, bei Deinem sehr gelungenen Buch ‚Love on Paper‘ wo man spürt, dass Du im Schreibflow mit hineingezogen wurdest und deshalb die Charaktere darin so glaubhaft darstelltest.
    So gut, dass der Leser (sicher nicht nur ich!) selber wieder mitgerissen wurde.

    So ist es schön, dass dieser Schwung Dich zu einem neuen Schreiblevel geführt hat. Gespannt auf Deine neuen Werke – und das ist doch das Beste was einer Autorin begegnen kann – und viel Erfolg wünschend

    Roland

    • Reply Katrin 26. Mai 2017 at 15:03

      Hi Roland! Ah, schön dich „wiederzusehen“.
      Flow ist das, woran ich nicht nur beim Schreiben, sondern im ganzen Leben arbeitet. Das verstehst du bestimmt ganz hervorragend, bei deinen Lebenserfahrungen.
      Und es ist seltsam, wie man wächst, sich entwickelt, manchmal gar nicht so gradlinig und auch vorhersehbar wie man es erwartet. Und das ist gut! Und tut dem Schreiben gut. Gerade macht alles jedenfalls richtig viel Spaß!
      Und, ja, wenn die Leser sich auf deine Bücher freuen, ist das das Beste!

  • Reply Autoren: Medienlese 20.05.-26.05.2017 – Dembelo 27. Mai 2017 at 08:35

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