7 Tipps - Schneller & produktiver schreiben

7 Tipps – Schneller & produktiver schreiben #3 Fokus

17. Mai 2017
Was heißt Fokus beim Schreiben?

Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Buch und das sehr vage Konzept, das ich entwickelt hatte, als ich zu schreiben begann. Kein Fokus! Ich erinnere mich, wie verwundert ich war, als ich ständig alles umarbeiten und löschen musste. Das sah bei den anderen Autoren irgendwie anders und einfacher aus …

Und dann kam die Zeit als Drehbuchautorin, in der das Thema klar und die Struktur vorgegeben war. Ich nur einen sehr engen Zeitrahmen hatte und wahre Schnellschreibwunder vollbracht habe. Wow. Ich konnte in vier Wochen ein Drehbuch schreiben und dachte, ich hätte es endlich raus …

Und dann wollte ich einen Roman schreiben. Ich wusste sehr genau, was ich schreiben wollte, die Geschichte war auch gut durchgeplant und – trotzdem ging es nicht richtig los. Ich saß vor dem Laptop und kam einfach nicht ins Schreiben. Fand keine Zeit, war abgelenkt, unsicher. Was war das Problem? Rückblickend betrachtet war es wohl nicht EIN Problem, sondern die Kombination aus mehreren kleinen Problemen, die mich vom Schreiben abgehalten haben. Und eigentlich waren es zwei Hauptfragen:

  • Wie motiviere ich mich?
  • Wie konzentriere ich mich?
Motivation

Als Autor hat man ein großes, ein generelles Problem: man ist sein eigener Arbeitgeber. Niemand sagt einem, was man wann tun muss, niemand kontrolliert die Produktivität der Arbeit. Wenn man den ganzen Tag nur Bleistifte anspitzt, dann juckt das niemanden. Es interessiert auch keinen, ob man zehn Seiten geschrieben hat. Und ob die Seiten nur Müll oder gute Literatur sind.

In der westlichen Welt sind wir mit Schule aufgewachsen. Sechs bis acht Stunden täglich wurde uns gesagt, was wir zu tun, zu schreiben, zu denken haben. Selbst, wenn wir einen Aufsatz geschrieben haben, gab es ein Thema und ein Zeitlimit. Danach eine nette Note. Und am Ende den Schulabschluss. Und jetzt? 

  • Was ist das Ziel?
  • Was ist die Belohnung?

Denn im Grunde hat sich seit der Schulzeit nichts geändert: Selbst, wenn man gut geplant hat und weiß, was man tun will, muss man wissen, wofür man das Ganze tut und wie man sich dafür belohnen will. So sind wir Menschen eben. Wir brauchen Ziele und wir wünschen uns eine Belohnung. Hat man diese beiden Dinge geklärt, hat man einen Fokus und muss sich nicht mehr an den Schreibtisch beordern. Man will schreiben. Unbedingt. Jeden Tag. Und das ist wichtig, denn man muss täglich schreiben, wenn man schnell und produktiv sein will.

Als ich mein erstes Buch schrieb, war mein Ziel ganz klar: Ich wollte veröffentlicht werden. Selfpublishing existierte noch nicht, also musste ich von einem Verlag angenommen werden. Die Belohnung war ebenso klar: Mein Buch auf einem Buchtisch in einer Buchhandlung zu sehen. Und, yeah, es war toll, als es endlich so weit war. Ich habe gefeiert. Es gab nur ein Problem: Wie sollte ich mich für mein zweites Buch motivieren? Was würde das neue Ziel, die neue Belohnung sein?

Was ich damit sagen will: Egal, ob erstes oder zehntes Buch – Man muss sich genau klar machen, was für ein Buchprojekt es ist. Welche Belohnung man sich damit verdienen will. Einen Literaturpreis? Einen Verlagsvertrag? Einen Haufen Geld? Einen Platz in der Amazon-Bestsellerliste? Das ist nicht anmaßend, sondern ganz normal. Es hilft, den Fokus zu behalten. („Ich-schreibe-nur-für-mich“, ist übrigens das ungeeignetste Motto für schnelles und produktives Schreiben …)

Ein Coach fürs Schreiben

Warum brauchen Spitzensportler einen Coach? Jemanden, der sie antreibt, motiviert, neben dem Becken oder dem Sportplatz steht und Zeit misst? Der Ernährung zusammenstellt und mit dem Handtuch wedelt, wenn man erschöpft auf die Bank sinkt? Weil es trotz Aussicht auf eine Goldmedaille schwer ist, sich täglich daran zu erinnern, warum man sich das (an)tut: Das Training, die Schmerzen, die Isolation, die Routine. Und, ja, mit all dem hat man als AutorIn zu tun.

Darum muss man sein eigener Coach sein oder sich einen Helfer suchen. Jemanden, der mit dem Handtuch wedelt. Durch Schreibtiefs hilft und einen an den Schreibtisch beordert, wenn man es nicht selber schafft. Dann braucht man sich nur noch auf das große Ziel und die großartige Belohnung am Ende des Schreibprozesses zu konzentrieren. Denn so toll es ist, ein Buch geschrieben zu haben – Das fertige Buch ist nicht das Ziel, welches einen motiviert und auch nicht die Belohnung auf die man sich freut – Es ist das Training und die Arbeit für das Ziel und die Belohnung.

Konzentration

Es gibt einen zweiten Killer, der die tägliche Schreibarbeit bedroht: Er heißt Ablenkung. Am Tag bevor man schreiben möchte, ist es eine so wunderbare Aussicht, am nächsten Tag schön gemütlich am Computer zu sitzen. Doch am Schreibtag selbst fällt einem meist ein, dass es doch noch so viele andere, vermutlich extrem dringendere Dinge zu tun gibt. Was absolut stimmt! Die Welt retten oder der Nachbarin beim Tragen helfen. Das Kind vom Sport abholen oder die Nachrichten ansehen. Der Freundin über den Liebeskummer helfen oder das Zimmer aufräumen. Aber die Schreibzeit ist heilig.

Schreibzeit einhalten und nutzen

Der innere oder äußere Coach sagt es hoffentlich: Fokus halten! Ohne die tägliches Schreibzeit, wird man nicht – schnell – fertig werden. Der beste Kniff: Man macht tatsächlich einen Termin mit sich aus. Täglich von 10-12 ist viel besser als Morgen-den-ganzen-Tag. Lieber zwei Stunden konzentriert geschrieben, als 8 Stunden vor dem Computer gesessen.

Die Schreibzeit NUR zum Schreiben zu nutzen, muss eine Regel sein. Nicht mal schnell vorher zu Facebook oder Instagram, nicht alle Mails erledigen. Dafür muss man andere Zeiten ausmachen. Abends vor dem Schlafen gehen oder sonst wann. Am besten weit weg von der Schreibzeit. Und: Lieber eine kurze Schreibzeit, in der man vollständig abschalten kann, als eine lange Phase, in der man andere Dinge einplant, wie Telefonate oder Mails zu schreiben.

Nach einer Weile weiß man auch, was man für das konzentrierte Schreiben braucht. Viele raten, das Internet auszustellen. Für mich funktioniert das nicht. Ich recherchiere alle zehn Minuten irgendetwas, manchmal nur, wie man ein Wort schreibt. Ich will diesen Komfort haben, ohne mich erst einzuloggen. Aber ich brauche Ruhe. Abgeschiedenheit in der Wohnung. Meinen Space.

Routine

Habe ich eine feste Schreibzeit, dann bedeutet das meist noch nicht, dass ich gleich losschreiben kann. Irgendwie ist es wie beim Sport, ich muss mich warmmachen. Und das gehört zur Schreibzeit. Meine Routinen sind: Duftlampe anmachen, Musik auswählen. Dann sehe ich mir das Pensum an, das ich an diesem Tag erledigen will: Ein Kapitel. Oder ein halbes Kapitel. Oder zwei Seiten. Am besten legt man genau fest, wie viel man schaffen will, einfach, damit man eine Vorstellung davon bekommt, wie produktiv man sein möchte. Ein Zwischenziel. Gut ist, wenn man, bevor man losschreibt, noch einmal einen Blick auf die Feinplanung wirft. Wann, wer, wo, was? Macht alles noch Sinn? Wenn ja, kann ich auf meinen Schreibplatz gehen, mein Schreibprogramm öffnen und loslegen.

Wenn nein, werde ich mich vielleicht die Hälfte der Schreibzeit mit Umplanen beschäftigen. Macht nichts. Gut zu planen hat immer Vorrang vor dem Schreiben. IMMER. Okay, ich höre direkt, wie mir widersprochen wird. Also bei mir findet sich das alles beim Schreiben … Hm. Für mich gibt es hier nur zwei Möglichkeiten: Entweder man ist extrem erfahren, oder man macht sich etwas vor.

Mich erinnern Texte, die vollkommen ungeplant entstanden sind, an diese Redner, die sich erstmal aufwärmen und herumreden, bevor sie auf den Punkt kommen. Die einzigen Gedanken, die ich dann habe, sind: Fokus und wann hört er/sie endlich AUF zu reden. Doch das darf beim Schreiben, bzw. beim anschließenden Lesen absolut nicht passieren. Denn wenn man sich selber nicht auf den Text und das, was man schreiben will, konzentrieren kann, wie soll es dann der Leser tun?

Schreibflow

Wenn man erstmal ins Schreiben gekommen ist, es fließt, dann ist Zeit nur noch ein sehr schwammiges Konzept. Da vergisst man im besten Fall das Essen und Trinken. Und im schlechtesten Fall, die Verabredung mit der Nachbarin und das Kind vom Sport abzuholen. Daher ist es absolut sinnvoll, sich bei einer Schreibverabredung nach hinten etwas Zeit zum Fade out zu lassen. Einfach noch eine Stunde oder zwei, die man nutzen kann, aber nicht muss. Eine Art Pufferzone für den Alltag.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage, wie man möglichst lange im Schreibflow sein kann. Wie man wieder in ihn zurückfindet, wenn man aus dem Flow gekommen ist? Was das überhaupt ist – Schreibflow?

Genau darum geht es dann im nächsten Beitrag. Bis dahin –

xoxo

Katrin

#amwriting #redbugwriting #rbpub

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1 Comment

  • Reply Autoren: Medienlese 13.05.-19.05.2017 – Dembelo 20. Mai 2017 at 09:30

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