7 Tipps - Schneller & produktiver schreiben

7 Tipps – Schneller & produktiver schreiben #2 Planung

10. Mai 2017
Eine gute Planung

Wer schnell schreiben möchte, sollte gut planen. Okay, ja, man kann auch „einfach drauflos“ schnell schreiben, aber in der Regel bedeutet das, dass man schnell viele geschriebene Seiten hat, doch dann sehr viele Seiten bei der Überarbeitung verändern muss oder gleich ganz streichen kann. Kurz – die Zeit, die man beim schnellen Drauflosschreiben gewinnt, verliert man bei der Überarbeitung und hat daher im Ganzen nichts gewonnen. (Gute Argumente für beide Arten des Schreibens findet ihr übrigens hier.)

Es gilt für viele Dinge – eine Reise, ein Essen, eine Party, ein Bild, ein Umzug … – je besser eine Sache geplant ist, desto besser und schneller lässt sie sich umsetzen. Doch – Stopp! – macht zu viel Planung eine Sache oder ein Ereignis nicht auch langweiliger und vorhersehbar? Schließlich hat man auch nichts gewonnen, wenn man am Ende eine staubtrockene, blutleere oder langweilige Geschichte entsteht, die niemand lesen will. Stimmt. Daher ist es wichtig, genau die richtige Balance zwischen zu viel und zu wenig Planung zu finden.

Das weiße Blatt

Wenn  in einem Film eine SchriftstellerIn vorkommt, dann sitzt sie meistens an einer Schreibmaschine oder Computer und tippt. Genau das ist das Bild, das wir von einer AutorIn haben: Sie – schreibt. Würden wir dieses Spiel machen, bei dem man einen Beruf nur pantomimisch darstellen kann, dann würden wir mit den Fingern auf imaginäre Tasten hauen und vermutlich wäre der Beruf leicht zu erraten. Will man die Probleme einer AutorIn darstellen, dann lässt man sie vor einem weißen Blatt brüten, die Finger liegen still neben dem Computer. Denn Schreiben – wird immer mit dem Schreibprozess, also dem Aufschreiben gleichgesetzt. Die Wahrheit sieht natürlich ganz anders aus. Wenn ich alle Tätigkeiten, die zur Erschaffung eines Buches notwendig sind, in ein Tortendiagram packe, sieht das bei mir etwa so aus: 

Dabei muss man bedenken, dass meine Bücher sehr wenig Recherche benötigen. Ich habe gehört, Ken Follett recherchiert ein Jahr, bevor er mit dem Schreiben beginnt. Kurz: Die meiste Zeit bin ich nicht mit dem Aufschreiben, sondern mit dem Vorbereiten, Planen und Überarbeiten beschäftigt. Je besser ich diese (Vor)arbeiten erledige, desto schneller kann ich am Ende meine Geschichte aufschreiben.

Arbeitsplan

Viele professionelle Autoren haben es schon: eine Schreibroutine, einen Arbeitsplan. Sie wissen, wann, wo und meist sogar wie lange und wie viel sie täglich schreiben, bzw. mit ihren Buchprojekten beschäftigt sind. Gehört ihr zu diesen Autoren, dann könnt ihr diesen Abschnitt überspringen.

Wenn nicht: Macht euch zuerst einen Arbeitsplan. Nichts ist frustrierender, als jeden Tag festzustellen, dass man keine Zeit zum Arbeiten gefunden hat. Dabei ist es erstmal egal, ob diese Zeit mit Plotten oder Schreiben oder Überarbeiten gefüllt ist. Zuerst einmal muss sie existieren. Denn erst wenn eine Schreibzeit und ein Schreibort existieren, kann beides sinnvoll eingeteilt werden. Hat man einen Ort und eine Zeit, dann nutzt man sie zuallererst für die Planungsphase. Das bedeutet je nach Typ ziemlich viel Herumschieben von Karteikarten, Malen am Whiteboard, Zetteln, die beschrieben werden oder einfaches Nachdenken.

Und wenn man euch dann mal fragt, was ihr so den ganzenTag getan habt, dann sagt: ich habe „geschrieben“, um es euch selber klarzumachen: Ihr habt an eurem Buchprojekt gearbeitet. Das ist „Schreiben“.

Buchprojekt planen

Die meisten professionellen Autoren haben ihr Genre schon gefunden: Thriller, Romanze, Fantasy – und wissen daher genau, was für ein Buch sie schreiben wollen. Ebenso ist ihnen vermutlich klar, wie viele Seiten und Kapitel das Buch haben wird und in welcher Zeit es spielt. So banal das klingt: Sind diese Dinge unklar, sollte man als erstes damit beginnen, sich klarzumachen, was für ein Buch man schreiben will. Dies ist auch für erfahrene Autoren wichtig, die ihr Genre wechseln oder mal etwas Neues ausprobieren wollen. Hat man entschieden, was man schreiben will, ist man nämlich schon ein erhebliches Stück weiter. Wie finde ich mien Genre, das ist das überhaupt? Dann lest hier weiter.

Ista das geklärt, Glückwunsch. Doch auch dann sind noch viele weitere Fragen zu beantworten und Entscheidungen zu treffen. Und jede Entscheidung, die man trifft, führt zu weiteren Fragen und Entscheidungen. Ein Beispiel:

Ich will einen Zeitreiseroman schreiben: In welcher Zeit starte ich? – An welchem Ort starte ich? In welche Zeit soll gereist werden? – Aus welcher Perspektive erzähle ich die Geschichte? – Gibt es mehrere Perspektiven? …

Mit diesen Fragen gewinnt man langsam ein Gefühl für den Umfang des Projekts. Also die Länge der Geschichte und die Komplexität und damit auch für den Umfang der Planung/Recherche/des Plottens. Erst, wenn all diese Vorentscheidungen getroffen sind, würde ich mich an den Schreibtisch setzen und losschreiben.

Schnell entscheiden

Der Beginn der Arbeit besteht also zuerst einmal aus Überlegungen und Entscheidungen. Denn schnell zu schreiben heißt vor allem, schnell Entscheidungen zu treffen. Nicht zu lange zu überlegen, weil sich vieles noch ändern kann und wird, aber auch nicht zu schlampig zu entscheiden, da sich auf jeder Entscheidung weitere Entscheidungen aufbauen und von der ersten Entscheidung getragen werden müssen.

Also tue ich es einfach mal – ich entscheide: Meine Zeitreisegeschichte soll in England in der Jetztzeit beginnen, es wird in die Viktorianische Zeit gereist und wieder zurück. Erzählt wird aus der Perspektive meiner Heldin und zwar im Imperfekt, also der Vergangenheit. Ich denke, das Buch wird um die 400 bis 500 Seiten haben, da es ein historischer Roman wird, der viele Beschreibungen erfordert. Ich entscheide mich für 28 Kapitel, die dann jeweils 15 bis 17 Seiten haben werden. Noch ist nichts in Stein gemeißelt, aber es ist gut, dies festzulegen, denn ich werde es für weitere Entscheidungen brauchen.

Geschwindigkeit ist keine Hexerei

Sind ihr die grundsätzlichen Fragen eines Buchprojekts geklärt (am Ende habe ich noch eine Checkliste), dann kann man an das Durchplanen/Plotten der Geschichte gehen. Beim Planen einer Geschichte geht es um den Spannungsbogen, die Dramaturgie, den Ablauf der Handlung, die Aktionen meiner Charaktere. Um es zu vereinfachen, würde ich von mich zwischen zwei Erzählmodellen entscheiden, ausgehend von:

  • Den Charakteren/Helden der Geschichte
  • Der Handlung/Dramaturgie der Geschichte

Nach meine Erfahrung funktionieren dafür zwei Methoden oder Tools besonders gut:

  • Die Heldenreise – wenn ich von der Charakterentwicklung ausgehe.
  • Die 3-Akte-Struktur – wenn ich mich auf die Dramaturgie der Geschichte konzentriere.

Egal ob Heldenreise oder 3-Akte-Strukur, eine Geschichte zu planen oder plotten bedeutet, sie sehr genau durchzuplanen.

Nicht vergessen sollte man, dass Plotten eine Technik ist, die man – falls man sie nicht schon kann – zuerst lernen muss. Ich weiß, es ist gerade ein wenig wie beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. An jeder Ich-schreibe-ein-Buch-Position kann man herausgeworfen werden und wieder nach Hause geschickt werden, um zuerst seine Hausaufgaben zu erledigen: Sorry! Lernt eine Geschichte zu plotten/planen!

Anders gesagt: Schnell schreiben funktioniert am allerbesten, wenn man schon eine Menge vom Schreiben versteht. Es ist der Guß auf der Torte, das Krönchen, das man seiner Schreiberfahrung aufsetzt.

Grob- und Feinplanung

Was heißt nun genau zu planen? Wie viel sollte man vorplanen? Okay, viel ist gut, aber es gibt einen kritischen Punkt, an dem man durch mehr Planen nichts erreichen kann, sondern schreiben muss, um weiter planen zu können. Es ist wie auf einer Reise. Ich kann und sollte den Flug und das Hotel planen, aber die Temperatur des Pool oder die Farbe der Handtücher besser nicht.

Flug und Hotel zu buchen heißt in diesem Fall:

  • Den Anfang, die Mitte und das Ende der Geschichte kennen
  • Die Höhepunkte/Tiefpunkt/Wendepunkte der Geschichte kennen
  • Alle Charaktere benannt haben
  • Die Charakterentwicklung des Helden und Antagonisten kennen

Und dann geht es los mit dem Schreiben? Nun – Mit jedem Flug bekommt man eine Flugzeit und im Hotel eine Zimmernummer. Das heißt, bevor man anfängt zu schreiben, sollte man sich schon noch genau klarmachen, was wann und wo passiert. Sich also an seine erste Planung für das Buchprojekt erinnern und sie mit der inhaltlichen Planung zusammenbringen. Also macht man am besten für jedes Kapitel ein paar Kurznotizen und plant:

  • Ort & Zeit
  • Agierende Personen
  • Konflikt/Lösung
  • Handlung/Dialog

Sowohl bei der ersten Planung (Hotel und Flug) als auch beim detaillierten Durchplanen der Kapitel kann es zu den typischen Tiefpunkten der schriftstellerischen Arbeit kommen. Ahhh, das funktioniert ja alle überhaupt nicht! Ich weiß, es ist extrem frustrierend, wenn man alle so gut geplant hat und dann kein Hotel zu bekommen ist oder die Fluganschlüsse nicht klappen. Das Einzige, was man dann tun kann, ist schnell umzuplanen. Einfach zurück zu dem Punkt gehen, an dem man ganz sicher war und sich alles gut angefühlt hat und erneut planen. Manchmal heißt das, alles umzuwerfen, manchmal nur Details zu verändern. An dieser Stelle sollte man aber nicht vergessen, sich dafür zu bedanken, dass man geplant hat und nicht 100 vergeblich geschriebene Seiten in den Papierkorb schieben muss. Das tut nämlich noch viel mehr weh.

Um Planungshilfe zu geben, habe ich eine Checkliste mit Fragen gemacht, die man besten alle beantworten können sollte, bevor man mit dem (Auf und Hin-)schreiben seiner Geschichte beginnt.

Ach und – wenn man dann mit dem Schreiben beginnt, ändert sich noch eine Menge. Super geplant, aber wie schreibe ich nun los? Darüber spreche ich dann in der nächsten Woche. Bis dahin –

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

 

Kann sich an diesem Punkt noch viel ändern? Natürlich. Aber schnelles Schreiben/Arbeiten hat vor allem mit schnellem Entscheiden zu tun. Im Schreibpozess tun sich andauernd Entweder – oder Entsheidungen auf, die am besten so schnell und vieleicth sogar brutal wie möglich entscheiden werden.

 

 

 

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply Bruno 28. Juni 2017 at 21:26

    Ich gehe zwar ein bisschen anders vor, aber der Artikel ist schön geschrieben und wird geteilt. Danke :-)

    • Reply Redbug Team 28. Juni 2017 at 23:45

      Danke. Das freut uns.

    Leave a Reply