7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #7 Kürzen

15. Februar 2017

Heute gibt es um das Kürzen. Auch ein hochsensibles Thema. Denn wir Autoren wissen es ja alle: Es tut so gut, wenn man die ersten 5000 Worte auf dem Papier hat, täglich den Wortfortschritt zählt, am Ende sagen kann: 300 oder 400 Seiten „geschafft“. Irgendwie leben wir ja auch in einer Gesellschaft, die tief im Inneren der Überzeugung ist: Mehr ist besser. Mehr Besitz, mehr Wissen, mehr Liebe, mehr Zuwendung. Und ganz logisch scheint es dann zu sein, dass es auch besser ist, mehr Worte auf dem Papier oder in seinem späteren Buch zu haben. Es gibt Selfpublisher, die berechnen die Preise ihrer Werke nach Umfang. Mehr Seiten – höherer Preis. Und Amazon rechnet bei der Ausleihe die Seitenzahlen ab. Je umfangreicher, desto besser – oder?

Umdenken

Nein. Kürzen ist eine Form der Überarbeitung und ein ganz wichtiger Schritt für die Verbesserung meines Manuskripts. Ich gebe zu, wenn ich Probleme mit dem Kürzen habe, dann eher psychologische, als technische. Helfen tut mir dann die Erinnerung an meine Zeit als Drehbuchautorin, denn da ging es ganz brutal zu. Denn was der Drehbuchautor nicht kürzt, dreht der Regisseur nicht oder halbherzig. Und was der Regisseur zu viel dreht, schneidet der Cutter weg und was der noch übrig lässt, fällt dann dem Urteil des Produzenten zum Opfer. Kill your Darlings kommt genau aus dieser Situation. „Gewöhn dich lieber gleich daran, dass du vermutlich von den besten Stellen Abschied nehmen musst.“ Echt?

Kill your darlings

Ein Drehbuch/Buch ist am besten, wenn es aus einem Guss ist. Der Traum ist natürlich ein Buch, an dem niemand mehr etwas wegstreichen will. An dem man auch gar nichts wegstreichen kann, weil dann etwas fehlen würde. Das so auf den Punkt genau funktioniert, dass es unangreifbar ist.

Nun, genau dafür kürze ich. Aus einem Guss heißt, dass die Szenen in meinem Buch, die nicht unbedingt wichtig sind, Nebengedanken, die nichts zum Thema beitragen, Dialoge, die die Handlung nicht voranbringen, gestrichen werden. Leider heißt das oft aber auch, dass sehr geniale Nebengedanken und einfach irre witzige Dialoge, die nicht in (dieses) Buch passen, gestrichen werden müssen. Freunde, das ist so hart! Kleiner Fun-Fakt über mich: Früher habe ich geniale Passagen in einer Extradatei gesammelt, um sie irgendwann einmal zu verwenden. Ja, ihr lacht und die Erfahrenen unter euch wissen: Man verwendet sie nie. 

Das Mindset für das Kürzen

Kennt ihr Marie Kondo? Sie ist eine japanische Ordnungsberaterin und Bestsellerautorin und hilft Menschen, ihre Wohnung zu entmüllen. Ihre Methode nennt sie die Konmari-Methode und ihre Grundsätze kann ich ohne Probleme auf meine Manuskripte bei der Überarbeitung anwenden, wenn ich sie ein wenig umformuliere:

  • Alles auf einmal, in kurzer Zeit und perfekt aufräumen

Das Kürzen eines Manuskripts sollte nicht zu lange dauern. Am besten klappt es mit Abstand vom Text und einer großen Entschlossenheit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

  • Alle Dinge zum Aufräumen werden auf einem Haufen gesammelt

Okay, der Haufen IST euer Manuskript.

  • Entscheiden, was weggeworfen wird aufgrund der Frage: Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?

Nein, meine Sätze nehme ich nicht in die Hand, sondern in den Mund. Macht es mich glücklich, was ich lese? Macht es Spaß, meinen eigenen Text zu lesen? FÜHLE ich etwas? Macht mich glücklich, was ich geschrieben habe?  Oder auch auf eine gute Art traurig/aufgeregt/nachdenklich? Ja? So soll es sein.

  • Jeder Gegenstand, den man behält, bekommt seinen Platz zugewiesen

Was ich behalte, muss an der richtigen Stelle im Text stehen. Passen. Ich muss Platz dafür haben. Siehe oben: Gute Sätze, für die man keinen Platz im Manuskript findet, muss ich streichen. Es geht also nicht nur darum, ob ich Dinge, Personen oder Dialoge mag, sondern auch, ob sie im Zusammenhang hilfreich sind.

  • Alle Dinge müssen dort richtig verstaut werden

Richtig verstaut heißt für mich, sie müssen der Dramaturgie des Textes dienen. Es nützt nichts, die Handlung ausufern zu lassen, weil man einen Nebencharakter so mag, die Frage ist: Trägt er zum Thema oder Handlung bei?

Klar, einfach und elegant

Es ist manchmal frustrierend, wenn Leser die Klarheit und Einfachheit eines guten Textes, für simpel, einfach und ungekonnt halten. Meist liegt es daran, dass diese Leser keine guten Texte kennen. Das ist wie im Designbereich. Ein gutes Design ist reduziert auf das Wesentliche. Ein klare Botschaft, etwas, für das es steht. Und ist sehr wohl auch emotional. Gefühlsduselei, und Klischees sind wie eine vollgerümpelte Wohnung. Noch ein Spitzendeckchen oder eine Zierkerze, von der man sich nicht trennen kann. Noch ein Kleid, das man nie anzieht, noch ein Küchengerät, das man nie benutzt. Als guter Autor muss man seinen Text mit der gleichen Brutalität aussortieren, wie Marie Kondo die Wohnungen ihrer Klienten.

Kürzen in der Praxis

Natürlich gibt es auch für das Kürzen Regeln. Aber das Wichtigste ist, der Logik des Textes zu gehorchen. Ihn in etwas zu verwandeln, das – ganz unabhängig von der eigenen Sentimentalität – eine eigene Einheit und Klarheit hat. Dafür muss man sich von Vielem trennen. Was man erhält, ist nicht nur ein schönerer und klarer Text, sondern auch eine klarere Sicht auf das, was der Text aussagt. Und – ja – das ist auch die größte Angst, wenn man kürzt: Was ist, wenn nichts übrig bleibt, was es wert ist, gesagt zu werden?

Und da – muss man durch :)

So, das wären meine 7 Tipps. Ich werde nun einen kleinen Urlaub nehmen und mich meinem eigenen Blog etwas widmen, Beiträge sortieren – genau! Nach der Konmari-Methode.

In den nächsten 10 Wochen wird Uwe an dieser Stelle erklären, wie man seinen (Word)Text in eine wunderbare ePub verwandelt. Einfach eine Word Datei bei Amazon hochladen – ist nämlich meistens keine so gute Idee. Wer also ein paar Shortcuts von Uwe lernen möchte (und er kennt wirklich alle Tricks!), der ist hier die nächsten Wochen genau richtig.

Danach blogge ich wieder über … Hm. Und jetzt seid ihr dran. Was interessiert euch besonders? Welche Themen interessieren euch? Welche Schreibtricks oder vielleicht auch Social-Media-Tricks wollt ihr gerne von mir/uns wissen?

Ihr könnt eure Vorschläge  in die Kommentare schreiben oder an mail@redbug-books.com mailen.

Bis bald

xoxo

Katrin

#redbugwriting #amwriting #rbpub

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5 Comments

  • Reply Roland 16. Februar 2017 at 16:43

    Hi Katrin
    Schönen Urlaub ! Den hast du redlich verdient. Lasse mich gerade von Love on Paper (allerdings als e-book heruntergeladen, sorry) völlig hineinziehen. Was das heißt weißt du als Filmschaffende ja ganz genau. Wenn man von den ersten zwei, drei Seiten nicht gefesselt wird, dann taugt das Drehbuch nix. jedenfalls nach Meinung der Agenturen.
    Freue mich auf deinen Blog und deine weiteren Werke. Vorschläge habe ich keine, dir fällt schon immer was ein ;-)

    Schöne Zeit
    Roland

    • Reply Katrin 16. Februar 2017 at 23:52

      Danke Roland,
      Hineingezogen – na, das hoffe ich doch ;)
      Und ja, Pause. Wobei – seltsam, ich bekomme richtig Abschiedsschmerz nach über einem Jahr regelmäßigem Bloggen und Schreibtipps hier. Aber es ist gut, jetzt mal ein wenig Ordnung in die anderen Schreiborte zu bringen. Online und offline. (Und am Ende werde ich wieder mehr in der Pause machen, als in der anderen Zeit. Kenn ich doch!)
      Einen schönen Abend -äh … Nacht!

  • Reply David Schwamborn 3. April 2017 at 09:34

    Bei mir gibt es exakt 3 Dinge, von denen eine Szene mindestens eine erfüllen muss, um nicht gestrichen zu werden. Die Story weiter bringen, die Charaktere beleuchten oder, da meine Projekte darauf besonderen Wert legen, Details zur Hintergrundgeschichte der Welt verraten.

    • Reply Redbug Team 3. April 2017 at 10:18

      Danke für den Input, David.

      Auf jeden Fall einer der 3 Punkte, absolut richtig. Das Ziel für gute Autoren ist natürich, dass alle 3 Punkte in der Szene erfüllt sind. Das ist wie Jonlieren, mit 3 Bällen ist eine Kunst, mit einem … nun ja, das ist eigentich kein Jonglieren ;)
      Die Story sollte eigentlich immer vorangebracht werden, das ist ein MUST.
      Nur HG-Details werden sehr schnell langweilig, da muss noch ein zweiter Punkt dazukommen. Wenn HG-Infos für deine Story sehr wichtig ist, dann verteil die Info auf den Dialog, die Ereignisse und – wenn vorhanden – den neutralen Erzähler. Dann fällt der Infodump nicht so auf.
      Die Charaktere kann man sehr schön durch den Dialog beleuchten, also die Sprachebene, die Wortwahl. Und durch die Gesten und kleinen Aktionen. Glas austrinken oder herunterstürzen oder wegstellen etc.

      Wir freuen uns, wenn Du deine Erfahungen öfter mit uns und den anderen Bloglesern teilst!
      All the best – die Redbugx

  • Reply 80+ hilfreiche Tipps & Ressourcen für Blogger und Unternehmer 10. November 2017 at 09:25

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