Von der Idee zum Manuskript

Von der Idee zum Manuskript #10 Überarbeiten

20. April 2016
Schreiben, um zu Überarbeiten

Ich habe es in der Zeit gelernt, als ich sehr viel für den Film gearbeitet habe: Das Überarbeiten ist ein sehr wichtiger Teil der Arbeit an einem Drehbuch, Text, Buch. Für manche sogar wichtiger als das Schreiben. Natürlich hat hier jeder eine andere Technik. Nehmen wir Stephen King. Für ihn heißt Überarbeiten, den Text erheblich zu reduzieren. Es heißt, die ersten Kapitel zu schreiben und nie wieder anzusehen, bis das ganze Buch fertig ist. Es dann zwei Monate beiseite zu legen, mit einem frischen Blick wieder zu lesen, und unter Umständen komplett zu überarbeiten.

Wow, das schüchtert einen schon ein. Jeder, der am Ende seines Buches ankommt, sich womöglich mit letzter Kraft ins Ziel rettet, möchte einfach wissen: geschafft! ENDE. Die Vorstellung, 500 Seiten erneut in die Hand zu nehmen, kritisch zu lesen – ja! Gruselig.

Überarbeiten während man schreibt

Es ist vielleicht nicht der beste Tipp für Anfänger, aber ich bin ein ungeduldiger Mensch und überarbeite immer während des Schreibens. Also am Computer. Das heißt, alle paar Tage lese ich Abschnitte erneut durch und teste, ob sie den richtigen Flow haben, klar sind, ob ich sie selber verstehe, ob mich der Text langweilt. Denn wenn er mich langweilt, ist ziemlich sicher, dass er auch den Leser langweilt. Diese Art zu arbeiten kann ich allerdings auch nur anwenden, wenn ich einen relativ überschaubaren Plot habe.

Vom Autor zum Leser

Überarbeiten bedeutet, den eigenen Texten mit fremden Augen zu lesen. Das Manuskript vielleicht sogar in einer anderen Schriftart auszudrucken, um es in einem fertigeren Zustand beurteilen zu können. Man selber liebt die ausführliche Beschreibung der Bein-OP, des Gerichtsprozesses, des Gemäldes, weil man sich auskennt, stolz auf sein Wissen ist, der Welt mitteilen will, wie großartig eine Sache doch ist. Nun. Ist es wirklich spannend? Ja – wenn man es geschickt in die Handlung einbindet. Nein – wenn es eine vollkommen isolierte Beschreibung ist. Dann muss man streichen.

Inhaltliche Überarbeitung

Mein erstes Buch habe ich einfach drauflos geschrieben und dann sehr oft überarbeitet. Trotzdem wies mich meine Lektorin später darauf hin, dass ich über einen Leukämiekranken schreiben würde und keine Ahnung von den einzelnen Abläufen der Behandlung hätte. Sie hatte recht! Hier fehlte Recherche. überarbeitenEs ging nicht darum, einen medizinischen Bericht zu schreiben. Es ging darum, das, was ich geschrieben hatte, glaubhaft zu machen, damit es im Lesefow nicht unangenehm auffällt.

Lektorat

Ein Dank an alle Lektoren für diese Arbeit. Vieles übernimmt später tatsächlich die Lektorin, ein wenig kann man sich schon darauf verlassen, aber natürlich ist es ziemlich frustrierend, wenn das abgegebene Manuskript mit den Worten: Bitte überlegen, ob Anfang nicht in die Mitte gehört und man den Mittelteil nicht um die Hälfte kürzen könnte zurückbekommtNein, ich übertreibe nicht. Nicht immer haben Lektoren die besten Ideen für die Umarbeitung, aber wenn sie auch nur ein diffuses Gefühl von „nicht richtig“ haben, sollte man sich seinen Text auf jeden Fall noch einmal ansehen.

Stilistische Überarbeitung

Ein sehr wichtiger Teil der Überarbeitung betrifft den Stil. Auch wenn eure Leser euren Stil ganz wunderbar finden, werdet ihr feststellen, (und auch andere Leser und Autoren!) dass ihr sehr viel besser schreiben könntet. Theoretisch, aber auch praktisch. Es gibt sehr große Unterschiede in der Schreibkunst und wenn man eine gesunde Selbstkritik hat, dann wird einem immer mal wieder auffallen, wie viel besser man schreiben könnte. Schlechtes Schreiben fällt weniger auf, wenn man sich mit einer treuen Leserschaft umgibt, die einem zujubelt. Oder man nur den Geliebten nach seiner Meinung fragt. Das Beste ist, man liest öfter mal und immer mal wieder ein richtig gut geschriebenes Buch. (Ich weiß, in den Verlage ist man der Meinung, man könnte eine schlechte Autorin durch ein Lektorat schon irgendwie hinkriegen, aber das würde bedeuten, dass Lektoren die besseren Schriftsteller sind – well, think about it. Kurz, das ist einfach nur eine Sache, die man behauptet, wenn man einen sehr erfolgreichen, aber miserabel schreibenden Autor, ohne schlechtes Gewissen ins Programm nehmen will.)

Worksheet

Im Worksheet gibt es diesmal eine Reihe von ganz praktischen Tipps Was kann man stilistisch überarbeiten? Was inhaltlich? Was muss man für den Anfang, die Mitte, das Ende bedenken?

1

Habt ihr das gif in diesem Beitrag entdeckt? Es ist hier für alle Gifzeljäger versteckt. Was unsere Gifzeljagd ist erfahrt ihr hier. Und dann, ach ja, möchte ich euch zu der E-Book Release Party von „Lass uns fliegen“ am 29. April 2016 auf Facebook einladen. In Lass uns fliegen geht es übrigens sehr viel um die Liebe zum Lesen und zum Schreiben …

Nächste Woche? Hm. Ich denke, ich zeige euch, wie man ein Bewerbungspaket für einen Verlag packt. Sowohl per Post, als auch digital. Mit Anschreiben und allem. Dazu gibt es ein Worksheet mit einer Vorlage für ein Bewerbungsschreiben.

See ya all :)

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #gifzeljagd #luf

 

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply