Was passiert in einem Verlag

Was passiert in einem Verlag – #1 Lektorat

17. Februar 2016
Was passiert in einem Verlag Lektorat
Was ist ein Lektorat?

In den nächsten Wochen möchte ich euch hinter die Kulissen der Verlage führen und euch erklären, wie ein Buch entsteht. Ich erinnere mich sehr gut an das erste Telefongespräch mit Herrn Gelberg, der mir direkt von der Jurysitzung aus verkündete, dass ich den Peter Härtling Preis für Radio Gaga gewonnen habe. Er fragte auch sofort, ob ich das Buch bei Beltz und Gelberg veröffentlichen wolle. Hell, yes! Und obwohl das Buch unter vielen hundert Manuskripten ausgewählt wurde, war seine nächste Frage, ob ich mir vorstellen könnte, in eine Überarbeitung zu gehen – auch Lektorat genannt. Er machte das sehr sympathisch und sensibel, aber es war ganz klar, dass mein Buch, um richtig gut zu werden, noch professionelle Arbeit am Text bräuchte. Und genau das ist eine Lektorat: Die professionelle Überarbeitung eines Textes.

Wozu ein Lektorat?

Man sieht das oft in Filmen, wenn Autoren ihr Buch beenden (zum Beispiel in der Serie „The Affair“ oder  „Was das Herz begehrt„, beides tolle Filme über Autoren) und dann ganz schwungvoll THE END tippen. Als wäre es so einfach … mal abgesehen von der eigenen Überarbeitung, beginnt dann ja erst die Arbeit. Zum Beispiel die Arbeit einer LektorIn, die das Buch genau prüft und besser macht. Ja, ich weiß, gerade wird die Frage Lektorat ja oder nein heiß diskutiert, aber ein guter Verlag, der ein Buch als ein literarisches Werk ansieht, wird ihm immer in ein Lektorat geben. Wobei ich auch gleich sagen muss, dass zurzeit viele eBooks, auch in den Verlagen, mit kaum einem bis keinem Lektorat veröffentlicht werden, da ein Lektorat aufwendig und auch teuer ist.

Wer machte ein Lektorat

Als ich zum ersten Mal mit einem Verlag zusammengearbeitet habe, hat mich am meisten gewundert, dass ich fast nie jemanden live zu Gesicht bekam. Meine erste Lektorin habe ich erst auf der Preisverleihung kennengelernt und war erstaunt, dass sie dunkelhaarig war. Sie hörte sich immer so gut gelaunt und blond (im positiven Sinne!) am Telefon an. Ein Lektorat heißt also nicht, plauschig mit einer LektorIn zusammenzusitzen und über den Text zu sprechen, sondern es sind eher Telefonate und Mails die hin und her gehen. Ein Lektorat macht eine professionelle LektorIn, die entweder im Verlag arbeitet oder als FreiberuflerIn vom Verlag für ein Lektorat engagiert wird. Ich habe schon mit genauso vielen Verlagslektoren wie mit freien Lektoren gearbeitet. Da gibt es für mich keinen Unterschied, außer, dass die freien Lektoren mir etwas pingeliger vorkamen (was mir gut gefallen hat), da sie dem Verlag vielleicht stärker zeigen müssen, wie gut sie arbeiten.

Lektoratsstufen

Ein Lektorat läuft meistens in verschiedenen Stufen ab, je nachdem, wie gut und erfahren ein Autor schon ist. In dieser WDR Dokumentation erzählt Fitzek, wie er sein Manuskript nach dem ersten Lektorat um 100 Seiten gekürzt hat. Ein solches Lektorat heißt Groblektorat. Da die Struktur oder Figurenentwicklung oder Dramaturgie oder die Länge eines Manuskriptes noch nicht stimmen, fordert die LektorIn zum Kürzen auf, zeigt Schwächen, macht Vorschläge, bittet um Prüfung, zum Beispiel an Stellen, wo Recherche nötig ist. Mit diesen Anweisungen kann sich die AutorIn dann wieder zurückziehen. Ist sie/er damit fertig, kommt das Feinlektorat. Auch hier kann es sein, dass weitere Kürzungen vorgeschlagen werden, sogar Umstellungen, aber im Wesentlichen geht es um sprachliche Verbesserungen des Textes. Also verhakte Sätze, schiefe Formulierungen, Worddoppelungen und so weiter. Manchmal geht ein Text mehrmals hin- und her, bis beide Seiten zufrieden sind. Die AutorIn hat aber das letzte Wort, also keine Panik. Nach dem Feinlektorat gibt eure LektorIn das Manuskript dann weiter. Aber es ist noch nicht druckfertig …

Korrektorat

Es wird gerne durcheinander geworfen, aber das Lektorat ist der wichtigere Teil der Lektoratsarbeit, nicht etwa das Korrektorat. Erst kommt das Lektorat, dann das Korrektorat. Im Korrektorat wird von Profis, die das sehr gut können, nur noch auf korrekte Rechschreibung, Zeichensetzung und vielleicht noch auf einige Grammatikfehler geachtet. In einem Korrektorat wird der Text nicht besser gemacht, sondern nur fehlerfrei! Daher ist es auch viel günstiger als ein richtiges Lektorat. Da es aber leichter ist, einem Autor einen Rechschreibfehler nachzuweisen, investieren gerade Selfpublisher eher in ein Korrektorat als in ein gutes Lektorat. Das liegt natürlich auch am Preis. Hier mal ein paar Gedanken von Georg Sandhoff (Lektor) zu diesem Thema.

Braucht jeder Text ein Lektorat?

Ganz ehrlich: Es gibt sehr viele Selfpublisherbücher, die ein Verlag/Lektor niemals so veröffentlichen würde, die aber sehr erfolgreich sind. Der Leser kann es vielleicht auch nicht besser, liebt die Schwächen des Autors sogar, sie machen ihn irgendwie sympathisch. So eine Art Dschungelcamp. Man sieht dem Autor beim Überleben zu. Manche Bücher werden auch ohne eine gute Überarbeitung Leser finden, so viel ist sicher. Ihr werdet aber – ebenso sicher – niemals ohne ein Lektorat in einem guten Verlag veröffentlicht werden oder eine wirklich großartige Karriere als Schriftsteller machen, wenn ihr nicht sprachlich und dramaturgisch gut gemachte Texte veröffentlicht. Und deshalb und dafür lohnt sich ein Lektorat. Sehr. Es ist das Herzstück der Verlagsarbeit. Wenn ihr euch fragt, was ein Verlag macht, dann ist das die Hauptarbeit: Den Text eines Autors durch ein Lektorat zu einem bestmöglichen Text zu machen, damit es ein gutes Buch wird.

Sicher gehört dann noch etwas mehr dazu. Deshalb geht es nächste Woche weiter mit … dem Buchsatz und der Buchgestaltung. Also der Herstellung eines Printbuches. Ich erzähle euch, was Fahnen, Schusterjungen und Hurenkinder sind, warum sich das ganz anders anhört, als es ist und spreche über Vignetten und andere schöne Kleinigkeiten im Buch. Wer weiterhin nichts verpassen möchte, was an Beiträgen und Worksheets bei uns herauskommt, der kann sich gerne in unseren Newsletter eintragen und viele Vorteile genießen.

Bis dahin eine gute Zeit – Cheers!

Katrin

#rbpub #redbugwriting

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2 Comments

  • Reply Georg Sandhoff 22. Februar 2016 at 10:20

    Danke für die Erwähnung! Es ist schön, zu sehen, das der Artikel nützlich ist.

    LG

    Georg

    • Reply Katrin 22. Februar 2016 at 12:33

      Hi Georg,
      es hat Spaß gemacht, deinen Artikel zu lesen, weil er offen für verschiedene Möglichkeiten ist, und du das Thema ganz entspannt behandelt hast. Danke!

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