Von der Idee zum Manuskript

Von der Idee zum Manuskript #6 Das Exposé

10. Februar 2016
Warum ein Exposé?

Ein Exposé braucht ihr ständig, wenn ihr professionell schreiben wollt. Selbst, wenn ihr ein komplettes Manuskript in der Schublade habt, will ein Interessent – also Verlag oder Label oder Imprint – als erstes ein Exposé sehen, um zu entscheiden, ob der Stoff grundsätzlich passt. Und man will sehen, ob die AutorIn in der Lage ist, ihr Werk schlüssig zu erklären und zu gliedern. Ganz wichtig wird ein Exposé, wenn ihr nur eine Idee für ein Buch habt (gilt übrigens auch für einen Film) und sie einem Verlag vorstellen wolt. Im Grunde will der Verlag für jedes neue Projekt von euch erstmal ein Exposé haben.

Wie lang ist ein Exposé?

Zuerst einmal ist ein Exposé kurz. Vier Seiten – Maximum – wobei die Zusammenfassung der Handlung nur anderthalb Seiten lang sein sollte. Wird die Sache länger, ist es ein Treatment, ein Begriff aus der Drehbuchentwicklung und bedeutet, dass ihr die kurze Idee ausführlicher darstellt. Das können dann auch schon mal 10-20 Seiten sein. Doch der Umfang eines Exposés sollte vier Seiten nicht überschreiten. Der Gag an vier Seiten ist natürlich gleichzeitig das Problem: Wie schaffe ich meine Idee auf vier Seiten darzustellen?

Was muss alles in ein Exposé?

Im Grunde ist ein Exposé euer Buch in Miniaturform. Es enthält den Titel eures Werkes, die ungefähre Seitenzahl, das Genre, einen Ein- bis Zweizeiler, der kurz zusammenfasst, worum es geht, eine Aufstellung der Haupt- und Nebencharaktere und eine  kurze Zusammenfassung eurer Story.  Ein Exposé zu schreiben ist übrigens nie umsonst, auch nicht, wenn ihr selfpublished. Denn wenn ihr ein gutes Exposé habt, ist es sehr viel leichter, euer Buch zu schreiben.

Muss ich das Ende meiner Geschichte schon kennen?

Hm. Es gibt diese Geschichte von Autoren, die ein tolles Exposé schreiben, das am Ende wenig Ähnlichkeiten mit ihrem Buch hat. Kann vorkommen. Ist nicht schlimm. Unterwegs sieht die Handlung oft ganz anders aus und dann sollte man sich auch nicht starr an sein eigenes Exposé halten. Eine gute Lektorin erwartet das auch nicht. Wenn die Story trotzdem gut ist, ist es ja auch egal. Wenn ihr aber ein ganz anderes Buch schreibt, gibt es schon ein Problem. Immerhin erwartet der Verlag ein bestimmtes „Produkt“ und stellt seine Verlagsvorschau und das Cover darauf ein. Nicht selten hat euer Buch schon einen Titel bevor es fertig ist.

Wie sieht ein Exposé aus?

Mal davon abgesehen, dass ich kein Freund von starren Regeln bin, hat sich für mich eine Aufteilung bewährt, die ich euch hier gerne vorstellen möchte. Ich fange mit dem Titel an, der meist nur ein Arbeittitel ist, weshalb man am besten (AT) in Klammern dahinter schreibt. Hier als Beispiel das Exposé zu New York Love (was später Manhattan Magic wurde). Das (AT) in Klammern habe ich weggelassen, aber es hat mir – wie ihr seht – nicht viel genützt ;)

exposé

Darunter kommt die geschätzte Seitenzahl, die meist der Vorgabe des Verlags entspricht oder eine grobe Schätzung ist. Darunter das Genre, es fehlt hier, da es klar war, dass ich das Buch für die PINK-Reihe von Oetinger schreiben wollte. Zum Beispiel Urban Fantasy oder Liebesgeschichte, damit man schon mal einen Eindruck bekomt, worum es in dem (späteren) Buch geht. Darunter dann mein persönlicher Lieblingsteil eines Exposés: Kannst du in einem oder zwei Sätzen zusammenfassen, worum es in deinem Buch gehen soll? Gar nicht so einfach, aber wenn man es schafft, dann hat man eine Art Wegweiser für den gesamten Schreibprozess. Und man kann im Gespräch sehr einfach zusammenfassen, was für eine Geschichte man schreiben möchte oder geschrieben hat. Seid hier präzise. Für Rotkäppchen: Nicht – Ein Märchen, das im Wald spielt. Sondern besser – Ein Mädchen, dass beim Besuch der Großmutter auf einen Wolf trifft.

Charaktere

Darunter folgt eine kurze Aufstellung der Charaktere. Das kann kurz und knapp sein: Martin, ein blonder attraktiver aber arroganter Mitzwanziger ohne Freunde. Oder etwas ausführlicher. Martin, ein attraktiver Mittzwanziger, hat früh seine Eltern verloren. Das hat ihn schon zu Schulzeiten zu einem Außenseiter gemacht. Seine Verletzung versteckt er hinter einer arroganten Fassade – kein Wunder, dass er wenig Freunde hat, obwohl ihm schon eine Freundin reichen würde … Denkt euch Vorlieben aus, erzählt ein wenig vom Background, Familie, Geschwister, sofern es für die Geschichte Sinn macht. Oben seht ihr, das ich das gerne sehr ausführlich mache, besonders, wenn es nur wenige Protagonisten gibt. Macht diese Beschreibungen auf jeden Fall für alle Hauptcharaktere und dann am besten noch für ein paar Nebencharaktere oder Gruppen: die zickigen Mitschülerinnen, die Fußballmannschaft, die Orks, der Rat der Götter …

Das Herz eures Exposés

Ist dann natürlich die Zusammenfassung eures (zukünftigen) Buchs. Anderthalb Seiten sollten dafür reichen. Stellt euch vor, ihr erzählt die Geschichte ganz entspannt einer Freundin. Wählt den Ton, den auch das Buch später haben soll. Also flapsig, wenn es ein lustiges Buch wird und etwas getragener, wenn es ein historischer Liebesroman wird. Wenn Inhalt und Stil eures Buches eher ungewöhnlich sind, dann erklärt die Ausgangssituation ruhig etwas länger. Und wenn die Handlung vorhersehbar und schon 1000 mal gehört klingt – Mädchen trifft auf Rockstar – versucht den eigenen Twist eurer Geschichte zu finden, eine Besonderheit, die nur ihr zu bieten habt. Mädchen trifft auf Rockstar, der im Rollstuhl sitzt/schon lange nicht mehr aufgetreten ist … 

Und dann seid ihr fertig. Manchmal weise ich ganz am Ende des Eposés noch auf ähnliche Bücher oder Filme hin, damit man den Swing der Geschichte besser verstehen kann.

Worksheet

Wenn ihr es nun selber versuchen wollt, haben wir dafür extra wieder ein grandioses (freies) Worksheet erdacht, das euch die Struktur eines Exposés schon mal vorgibt und das ihr dann „nur noch“ mit eurem Inhalt ausfüllen müsst. Easy :) Ihr könnt es immer wieder verwenden, mein Tipp – ladet es euch auf jeden Fall herunter.

5

Möglicherweise habt ihr dann schon bald einen Vertrag mit einem Verlag/Label/Imprint!? Weshalb ich in den nächsten Wochen am Mittwoch eine kleine Blogreihe zum Thema: Was passiert in einem Verlag? einschieben werde, bevor ich die Blogbeiträge zu Von der Idee zum Manuskript fortsetze.

Also ab nächste Woche: Was passiert, wenn ein Verlag euer Manuskript annimmt? Was ist ein Lektorat, was ein Korrektorat? Und was gibt es sonst noch für Jobs rund um die Herstellung eines Buches?

Ich hoffe, ihr seid wieder dabei. Bis dahin – cheers!

Katrin

#rbpub #redbugwriting

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply